Johann von Pfalz-Neumarkt


Wer war eigentlich Pfalzgraf Johann? Außer einer nach ihm benannten Straße im Stadtosten erinnert nicht mehr viel an den einstigen Fürsten in Neumarkt...oder etwa doch?

Der Wittelsbacher Johann ist einer der bedeutendsten Neumarkter. Auf seine Initiative hin entstanden die Hochbauten in der Altstadt, die auch heute noch das Bild Neumarkts prägen und auch Johanns Rolle in der Geschichte Ostbayerns war nicht ganz unentscheidend.

Geboren wurde er wohl um 1383 in Neunburg vorm Wald als Sohn des rheinischen Kurfürsten Rupprecht III. und seiner Frau, Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg. Rupprecht III. war zu dieser Zeit Herrscher über alle pfälzischen Territorien, darunter auch die heutige Oberpfalz und somit auch Neumarkt. Nach seinem Tode im Jahr 1410 wurde die Pfalz unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Johann, der zweitälteste Sohn, erhielt die "Obere Pfalz", deren Statthalter er bereits 6 Jahre lang war. Er wählte Neumarkt zu seiner neuen Residenzstadt und ließ dort ein neues Schloss im gotischen Stil errichten.

 

Wohl 1410 oder 1411 zogen der jetzige Pfalzgraf Johann von Neumarkt und der Pfalz und seine Frau, Katharina von Pommern-Stolp, mit der er seit 1407 verheiratet war, samt Hofstaat in Neumarkt ein. Für Neumarkt folgten nun die vielleicht prächtigsten Jahre überhaupt. Neben Kunst und Kultur florierten im neuen Regierungssitz nicht nur Wirtschaft und Handel, auch die Bauwirtschaft der damaligen Zeit erfuhr einen gewaltigen Aufschwung.

 

In Johanns Regierungszeit entstanden in Neumarkt neben dem Pfalzgrafenschloss (das in zeitgenössischen Quellen u.a. als eines der schönsten Schlösser Bayerns bezeichnet wurde) auch die St.-Johannes-Kirche, die Hofkirche, das Rathaus und der Reitstadel. Die vor den Toren Neumarkts gelegene Haimburg ließ er zu einem Jagdschloss ausbauen und in Gnadenberg stiftete er auf Bitten seiner Frau das erste Brigittenkloster Süddeutschlands. Leider haben sich nicht alle Bauten dieser Zeit erhalten. Das vormals im gotischen Stil errichtete Pfalzgrafenschloss fiel 1520 einem Brand zum Opfer und wurde erst 1539 von Pfalzgraf Friedrich II. im Renaissance-Stil wieder aufgebaut. Und auch die Haimburg und das Kloster Gnadenberg sind heute nur noch als Ruinen erhalten.

Jahrelang stritt Pfalzgraf Johann mit Böhmen, vor allem wegen Rechts- und Besitzfragen im heutigen bayerisch-tschechischen Grenzgebiet. Nach dem der Prager Kirchengelehrte und Reformator Jan Hus 1415 auf Drängen der Kirche in Konstanz verbrannt wurde, tobten in Böhmen und Mähren bis 1433 die Hussitenkriege. Deren Spur der Verwüstung dehnte sich auch immer mehr auf die Obere Pfalz und damit auf Johanns Herrschaftsgebiet aus. Ab 1419 zog er immer wieder in den Krieg gegen die Hussiten. Jedoch gelang es ihm erst 1433, die Hussiten in der Schlacht bei Hiltersried vernichtend zu schlagen.

 

Über Kontakte zu den Hohenzollern in Nürnberg und Ansbach gelang es ihm, eine Zeit lang Mitglied im dänischen Reichsrat zu werden. Dies führte auch dazu, dass sein 1416 in Neumarkt geborener Sohn Christoph von Neumarkt später als König Christoph III. von Dänemark, Schweden und Norwegen in die Geschichtsbücher einging. Dieser regierte bis zu seinem Tod 1448 von Helsingborg aus über fast ganz Nordeuropa.

 

Pfalzgraf Johann heiratete nach dem Tod seiner Frau Katharina 1428 ein zweites Mal. Seine Ehe mit Beatrix von Bayern-München blieb jedoch kinderlos. 1443 starb Johann in der Neumarkter Residenz und ist heute in der Klosterburg in Kastl begraben. Nach seinem Tod fielen alle pfälzischen Besitzansprüche an seinen Sohn Christoph, die dieser wegen seiner skandinavischen Verpflichtungen von Neumarkt aus von einem Statthalter verwalten ließ.

 

Mit dem Tode Christophs erlosch die Linie Pfalz-Neumarkt und neuer Pfalzgraf wurde Otto I. von Mosbach, der auch bald darauf in die Neumarkter Residenz einzog. Einige Jahre später endete auch die Linie Mosbach-Neumarkt, als sein Sohn Otto II. von Neumarkt (wegen seiner Begeisterung für die Astronomie auch "Otto Mathematicus") 1499 kinderlos starb. Er ist als einziger in Neumarkt begraben. Sein Hochgrab kann heute in der Hofkirche besichtigt werden. Nach seinem Tod wurde Amberg neue pfälzische Residenzstadt.

 

Erst als Pfalzgraf Friedrich II. 1520 seinen Regierungssitz wieder nach Neumarkt verlegt, kehrte noch einmal höfisches Leben am Residenzplatz ein.

 

1556 fand die Ära der Pfalzgrafen in Neumarkt ihr Ende, als auch Friedrich II. kinderlos starb. Neumarkt verlor seine über 200-jährige Reichsfreiheit und erneut wurde Amberg Zentrum der Oberpfalz.